{"id":81,"date":"2015-03-09T15:25:34","date_gmt":"2015-03-09T13:25:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kwier.at\/?p=81"},"modified":"2015-05-10T17:29:40","modified_gmt":"2015-05-10T15:29:40","slug":"pflop","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/forschung.kwier.at\/?p=81","title":{"rendered":"Pflop!"},"content":{"rendered":"<h4>Rezension von <em>Always on My Mind<\/em>, Regie: Helen Parkes, \u00d6sterreich 2013<\/h4>\n<p>Wie kann uns ein Bild zum Lachen bringen? Wie funktioniert der visuelle Witz?<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal funktioniert er unmittelbar. Wir sehen etwas und das l\u00f6st etwas in uns aus, etwas bricht in uns, bricht aus uns heraus. Der visuelle Witz funktioniert nicht \u00fcber Erkl\u00e4rungen, er funktioniert nicht logisch oder narrativ, er funktioniert <em>k\u00f6rperlich<\/em>. Wir sehen etwas, unser K\u00f6rper reagiert. Er reagiert auf etwas, das er absurd findet; unm\u00f6glich, unn\u00f6tig, unbekannt, fremd.<\/p>\n<p>Der Kurzfilm <em>Always on My Mind<\/em> der Regisseurin Helen Parkes baut genau auf dieser k\u00f6rperlich gef\u00fchlten Absurdit\u00e4t auf. Parkes zeigt uns nicht nur wie die unmittelbare K\u00f6rperlichkeit des visuellen Witzes durch filmische Mittel wie Schnitt und Ton unterst\u00fctzt werden kann, sondern auch wie gerade die Absurdit\u00e4t dieses Witzes einen Ausgangspunkt bietet um einen ganzen Raum der Absurdit\u00e4t, ja eine <em>verkehrte Welt<\/em><a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> aufzubauen.<\/p>\n<p>Der Film beginnt; Tableaus von regungslosen Gesichtern, von Menschen die starren; Im Hintergrund ein leises <em>Pflop<\/em>. Schnitt. Wieder still glotzende Menschen; <em>Pflop<\/em>. Schnitt. Eine junge Frau sitzt an einem Tisch und isst; Hinter ihr ein Mann, er klopft ihr mit dem Schirm auf den Kopf; <em>Pflop<\/em>; Sie st\u00f6rt sich nicht daran und schl\u00fcrft ein Gl\u00e4schen Sekt; <em>Pflop \u2026 Pflop \u2026 Pflop \u2026<\/em><\/p>\n<p>Allein in dieser kurzen Anfangssequenz k\u00f6nnen wir sehen, wie geschickt Parkes ihr Medium einsetzt um den visuellen Witz, die Pointe dieser Sequenz vorzubereiten und zu unterstreichen. Die starren, absurden Tableaus befremden. Menschen, die nur reglos dasitzen und gaffen.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Ohne Reaktion, ohne Bewegung. Gleichzeitig machen sie uns aber auch neugierig. Worauf starren die denn, was gibt es da zu glotzen? Sie bereiten uns zweifach vor, indem sie einerseits den absurden Grundton vorgeben und andererseits Spannung erzeugen. Dazu im Hintergrund in gleich bleibendem, fast schon gnadenlosen Rhythmus dieses <em>Pflop<\/em>. Ein Ger\u00e4usch, das wir nicht zuordnen k\u00f6nnen, gleicherma\u00dfen organisch wie mechanisch. Sein langsamer, gleichm\u00e4\u00dfiger Takt scheint irgendwo zwischen irritierend und beruhigend steckengeblieben. Wenn wir dann zum ersten Mal sehen wie der Schirm auf den Kopf der Frau trifft, das auditive <em>Pflop<\/em> endlich seinen visuellen Gegenpart, das Gaffen seinen Grund bekommt, ist es f\u00fcr uns de facto schon zu sp\u00e4t. Wir sind bereits in Parkes Falle getappt, das Lachen bricht aus uns hervor.<\/p>\n<p>Eigentlich erstaunlich, dass dieser Film auf einer Kurzgeschichte basiert. \u201eDa ist ein Mann, der die Gewohnheit hat, mir mit einem Schirm auf den Kopf zu schlagen.\u201c von Fernando Sorrentino, kann nicht die Direktheit des Bildes verwenden. Hier muss sich die Absurdit\u00e4t sprachlich ausdr\u00fccken. Dies gelingt, wirkt aber nach Kenntnis von Parkes Film irgendwie blutleer. Im Visuellen erhalten wir eine direkte Anbindung an die Situation, wir f\u00fchlen k\u00f6rperlich mit. Wir alle k\u00f6nnen, nein <em>m\u00fcssen<\/em> uns vorstellen wie das w\u00e4re; diese st\u00e4ndige Irritation, etwas wor\u00fcber wir keine Kontrolle haben und das st\u00e4ndig auf uns einwirkt.<\/p>\n<p>Und genau mit diesem Gedanken h\u00f6rt der Witz auch auf nur noch Witz zu sein. Der Schirm wird zur sozialen Befremdung, zur psychischen Tortur, ja sogar zur existenziellen Frage. An ihn kn\u00fcpfen sich Fragen der Gewalt, des Widerstandes, aber auch der Gew\u00f6hnung und Resignation. Parkes spannt an diesem scheinbar winzigen Punkt, dem Treffpunkt zwischen Schirm und Kopf, einen Raum auf, den der Film gar nicht zu f\u00fcllen vermag, dies aber auch gar nicht erst versucht.<\/p>\n<p>Parkes \u00f6ffnet f\u00fcr uns eine T\u00fcr, ob wir hindurchgehen oder nicht, und was wir dahinter sehen bleibt unsere Sache.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Endnoten<\/h4>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> So auch der Name eines Kurzfilm-Programms im Wiener <em>Topkino<\/em>, im Rahmen dessen der Film k\u00fcrzlich zu sehen war.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Diese Tableaus erinnern an Fassbinders <em>Angst Essen Seele<\/em> auf, laut Regisseurin jedoch kein bewusster Bezug.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Das Titelbild ist ein Filmstill aus <\/em>Always on My Mind<em>. \u00d6sterreich 2013. \u00a9 Helen Parkes, via: <a href=\"http:\/\/www.cinemanext.at\/film\/always-on-my-mind\" target=\"_blank\">http:\/\/www.cinemanext.at\/film\/always-on-my-mind<\/a>.<br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p class=\"post-excerpt\">Wie kann uns ein Bild zum Lachen bringen? 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