{"id":99,"date":"2015-03-09T13:28:00","date_gmt":"2015-03-09T11:28:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kwier.at\/?p=99"},"modified":"2015-05-10T17:33:57","modified_gmt":"2015-05-10T15:33:57","slug":"ceci-nest-pas-authentique","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/forschung.kwier.at\/?p=99","title":{"rendered":"Ceci n\u2019est pas authentique."},"content":{"rendered":"<p>Das Bild <em>La trahison des images<\/em> von Ren\u00e9 Magritte<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> scheint auf halbem Weg zwischen Abstraktion und Realismus stecken geblieben. Das Spiel von Licht und Schattierung hebt die Rundungen der Pfeife aus dem Bild heraus. Bei schnellem Hinsehen wirkt diese plastisch, anfassbar. Sie tritt uns entgegen, erscheint uns. Doch bei genauerer Betrachtung h\u00e4ufen sich die St\u00f6rungen dieser K\u00f6rperlichkeit. Die Farben sind zu matt, die Form zu abstrahiert, die Lichtreflexe er\u00fcbrigen sich in groben Helligkeitszonen. Das Bild der Pfeife ist realistisch genug um als solche erkannt zu werden. Es ist einer realen Pfeife \u00e4hnlich, es kann mit ihr, zumindest kurzfristig, verwechselt werden. Doch ist es ihr nicht zu \u00e4hnlich. Gleicherma\u00dfen wie es sich als Pfeife erkennen l\u00e4sst es sich auch als Bild erkennen.<\/p>\n<p>Dieser Doppeleffekt wird durch die Ikonographie des Bildes noch verst\u00e4rkt. Von der hellen, gelblichen Fl\u00e4che heben sich die dunkle, braune Pfeife und die schwarze Schrift deutlich ab. Der eint\u00f6nige, jedoch nicht v\u00f6llig uniforme, Hintergrund bietet keinen Kontext. Pfeife und Schrift schweben in der Zusammenhangslosigkeit des leeren Raumes. Die leichte Schattierung in Richtung der R\u00e4nder verst\u00e4rkt noch die Fokussierung des Blickes auf diese Objekte und verleiht ihnen gleichsam eine leuchtende Aura. Diese Aura steht in starkem Kontrast zur Benjamin\u2019schen Aura<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>, unterst\u00fctzt sie doch gerade die Stilisierung des Bildes zur reproduzierbaren Ikone. Es ist eine Aura, die ihrem Tr\u00e4ger Authentizit\u00e4t raubt, nicht diese erst bedeutet.<\/p>\n<p>Die Schrift selbst und ihr Inhalt sind der Fokus eines zweiten Blickes. Optisch deutlich kleiner, am unteren Rand des Bildes angeordnet und in einem eleganten, kaum den Fluss unterbrechenden Schriftbild liest sich, dass dies eben keine Pfeife sei: \u201eCeci n\u2019est pas une pipe.\u201c<\/p>\n<p>Die Spannung des Bildes liegt nun prim\u00e4r in seiner Reduktion auf Bild und Schrift, und dem Verh\u00e4ltnis das sich zwischen ihnen auftut. Es ist ein dialektisches Verh\u00e4ltnis, die platte Schrift und das r\u00e4umliche Bild, die \u00c4hnlichkeit der Illustration mit der Pfeife und die Verneinung der Gleichheit durch den Text. <em>La trahison des images<\/em> ist ein Witz der optisch <em>und<\/em> literarisch funktioniert. Seine Pointe funktioniert nur in der Dialektik beider Bereiche. Ohne diese Dialektik fiele er flach.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4>Endnoten<\/h4>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Magritte, Ren\u00e9: <em>La trahison des images<\/em>. \u00d6l auf Leinwand, 1928-1929, Los Angeles: Los Angeles County Museum of Art.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Vgl. Benjamin, Walter: <em>Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit.<\/em> Stuttgart: Reclam 2011.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Das Titelbild ist eine digitale Reproduktion von <\/em>La trahison des images<em>. \u00a9 Los Angeles County Museum of Art.<br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p class=\"post-excerpt\">Das Bild <em>La trahison des images<\/em> von Ren\u00e9 Magritte ist ein Witz der optisch und literarisch funktioniert. Seine Pointe funktioniert nur in der Dialektik beider Bereiche. 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